Editorial


14.02.2021 | Party | Karneval
Julius Vapiano
Illustration: David Auerbach
 
dieses jahr fällt der karneval aus, zum ersten mal seit 1991. alle sind ganz traurig in köln, und wenn ich irgendwo aus einem fenster ein karnevalslied schallen höre, macht das schon auch was in mir. aber wenn ich ehrlich bin ganz ehrlich, ist es mir auch ein bisschen recht, dass der karneval ausfällt. der grund dafür ist, dass ich mich immer noch nicht vom karneval letztes jahr erholt habe, meinem ersten. ...

weiberfastnacht 2020 lief ganz gut, war verkleidet und es haben mir richtig viele gesagt ich war unangenehm besoffen. am rosenmontag hab ich den zug angeschaut vom café aus und ich fande es einfach unglaublich, wie viele leute da mitgemacht haben. ich glaube, da habe ich zum ersten mal verstanden wie gross köln ist, weil man denkt ja öfters mal man kennt eigentlich jede*n. ich meine allein das café war voller ur-kölner*innen, aber die haben alle nicht mitgemacht beim karneval, waren nicht mal verkleidet, und dann gibt es noch ALLE die mitmachen.

es ist viel passiert seitdem. köln hatte richtig glück, dass corona erst nach karneval hier angekommen ist. dann 10 jahre lockdown, viele demos, wobei eine der wichtigsten, die in hanau, haben sie kurz vorher abgesagt. und ich war bei der gründung dabei von dem antifaschistischen karnevalsverein rutfront fastelovendsbund.

jetzt ist jedenfalls kein karneval und ich weiss nicht, vielleicht hat ein karneval mir auch gereicht für immer. oder ich brauche noch einen, zum mich wieder auf vordermann bringen? es wird sich noch rausstellen. dieses jahr jedenfalls nicht, dieses zuhause kölsche trinken und karnevals lieder hören, das ist doch selbst geisselung leute.
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It Tastes Like Ashes
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Julius Vapiano, Svea Mausolf, Fritzi Schneckenhaus

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