Bruckhaus 2


14.02.2021 | Party | Karneval

Jana Dormann über Bruckhaus 2,  20.2.2020
Illustration: David Auerbach
 
ich hätte gerne eine retrospektive vision, ein flashback meine ich, also ein glasklares und extended déjà-vu bitte, das mich nochmal alles vom bruckhaus an weiberfastnacht 2020 neu einsehen lässt. einfach weil meine erinnerung völlig verschwommen ist, aber nicht wegen des alkohols... wirklich... also, ich glaube ich habe – um hier einfach mal einen absolut inflationär verwendeten ausdruck fallen zu lassen – ein kleines trauma von dort (u.a. wegen einer nahkampf-schlägerei zwischendrin, aber die möchte ich ausklammern aus meiner vision bitte) und außerdem hatte ich danach, so wie circa. alle nach karneval, eine woche lang vielleicht ... corona oder einen grippalen infekt und deshalb schreibe ich hier nun alles etwas fragmentierter.

die autokorrektur macht aus bruckhaus immer bruchhaus und es ist, ganz ehrlich, kein sehr sehr weit hergeholter vorschlag. trotzdem denke ich: karneval im bruckhaus ist eine maschine, die allgemein produziertes begehren aus den fesseln der neoliberalen ideologie des wettbewerbs und wachstums befreien kann und allen das jeck-sein, in einer symbolträchtig arrangierten kranzformation als kölsches antidot der solidarität verabreicht. wegen des unausweichlichen cringes der kommt, wenn man den tik-tok algorithmus falsch, aber deshalb eigentlich genau richtig gefüttert hat, ist bruckhaus für mich dasselbe jeföhl wie sonntags stundenlang in die app zu gucken. ich meine, dass das bittersüße gefühl des zeit-verschwendens abseits von aller selbstoptimierung irgendwie ähnlich ist und gerade das ist an vielen tagen nunmal das einzige was mindestens mir ablenkung verschafft von *****nazis und ****** biden statt sanders usw. und im sich-immer-konfrontieren und dazu-lernen-lernen-lernen wird man am end bloß noch lethargischer als man es an sich eh schon immer war. nach einem ausgiebigen nachmittag mit meinem tiktok-algorithmus fühle ich mich einfach viel bereiter für den (gefühlt leider auch immer schon) längst ausstehenden klassenkampf als jetzt zb. nach hegel lesen; und nach einem karnevalsabend im brucki, meine ich, ist es auch so. also - ich erinnere mich, dass ich anfangs vom eingang bis zum dj-pult gelaufen bin und dann die schlechtere gary jules version von mad world in meinem kopf lief - so à la donnie darko hat sich da alles in slomo abgespielt, z.b. zerschellte ein bierglas auf dem boden, woraufhin sich das licht ganz kitschig-episch in seinen splittern brach. die deko in rut und wiess floss über den köpfen der jeck*innen schunkelnd zu einem verwaschenen rosa zusammen, während ein clown mit grüner plastikbong auf eine tafel hinter das dj-pult zeigte. ich folgte seiner anweisung und unterstrich zweimal das FICK DIE AFD! auf der tafel. plötzlich hatte ich den drang mir *NeverNotJeck* auf den hals zu tätowieren. und *Brucki4Life* auf den rücken. danach lief dann dj-gollum-nightcore (auch in meinem kopf) und weiberfastnacht ging im 160bpm-zeitraffer entsprechend beschleunigt zu ende. beim aufräumen am nächsten tag kam dann der übliche come-down – ich hatte die ganze zeit davids riesige schuhe an, so war ich nun clown und als ich versuchte festgetretenes, in kölsch und asche getränktes konfetti vom boden abzufegen, wollte ich mir doch lieber *Brucki4Death* und *NeverJeckAgain* tätowieren.
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