Antworten auf die Krise


04.12.2020 | Kunst
Fritzi Schneckenhaus über den Lockdown Light

Hey, ich wollte nur kurz sagen, ne zuerst mal, hallo ich bin Fritzi Schneckenhaus, und ich sage sonst immer dazu: ich schreibe Kunstkritiken, als sei das mein Beruf, aber wisst ihr, was so eine Kunstkritik einem finanziell einbringt, nichts. Oder Texte schreiben allgemein. die ganzen Ficker von Magazinen usw. wollen nämlich nichts zahlen und heulen rum, wie wenig Geld sie haben.

Jetzt hat alles zu, und naja ein paar Sachen haben offen und ich wollte schreiben... wie schlimm die Kulturbranche getroffen ist, nur die Sache ist erstmal die, ich persönlich habe seit Corona zum ersten Mal in meinem Leben ein geregeltes Einkommen. Ich bin damit bestimmt nicht repräsentativ, auch nicht für NRW, aber ich denke, der Punkt, an dem man ansetzt, müsste schon erst mal sein, wie schlimm war es vorher schon. Wie krass ist es, dass alle, die jetzt dank Coronahilfe nach dem Mietezahlen noch 500€ oder sowas im Monat zur Verfügung haben, aufatmen.

Ich stehe bei dieser Ist-keine-Eröffnung von dieser Ist-Einzelhandel-Galerie, es ist niemand mir bekanntes da, (ich bin auch nur hingegangen, weil ich dachte, dass ich darüber schreiben muss) und trinke ein lauwarmes Bier. Eine Frau sagt zu ihrer Freundin, dass sie es einfach furchtbar findet, dass alle Kulturinstitutionen – Museen, Theater, Opern – zu haben, dass doch gerade die Kultur den Menschen Halt und Orientierung geben könnte, mehr noch, Antworten finden könnte auf die Krise.

Zuerst habe ich gedacht: Wann ist denn jemals irgendeine Kunst- oder Kulturinstitution diesem Anspruch gerecht geworden. Never. Wenn ich irgendwas ehrliches über Kunstläden geschrieben hätte, wäre das auch vor Corona schon meistens gewesen: langweilig, verlogen, hat nichts mit mir zu tun. Dann ist mir aber zum Glück noch aufgefallen, dass ich da auf einem Denk-Holzweg bin. Das ist ja Quatsch, dieses, man könnte Antworten auf die Krise finden mit Kunst und Kultur. Damit ordnet man ja Kunst der ganzen Verwertungslogik KOMPLETT unter: Der Kulturbetrieb sollte geöffnet bleiben, weil es ja auch was BRINGEN würde, damit die WIRTSCHAFT weiterläuft. Das ist ja gerade der Witz, dass Kunst genau keine fucking Antworten findet. Wisst ihr, wer Antworten auf die Krise finden muss: die Politik.

Selbstverständlich sind Kunst und Kultur nicht irrelevant, natürlich sind sie gerade jetzt wichtig, so wie schon immer, schon vorher. Meine besten Momente dieses Jahr waren ein einziges Livestream Konzert (zwischen all den schrecklichen Livestream Konzerten), eine Performance unter einer Brücke und ein Youtubevideo.

Ich hab’ mir vorgestellt, durchs Museum Ludwig zu streunern, sie lassen nur 10 Leute gleichzeitig rein. Wieder zuhause angekommen, fühlt man sich wie... nach einem Ausflug. Es gibt einfach keinen Grund, dass es zu hat.

In einzelnen Momenten dieses Jahr konnte man kurz ein ganz kleines bisschen erahnen, wie es wäre, wenn man nicht nur erdrückt würde von Geldsorgen und Verwertung.

Ich war jetzt manchmal auf Twitter, und die Leute da sagen – ich weiss nicht, ob ihr schon mal davon gehört habt und ich kenne mich da noch nicht so aus – man könnte ja vll. mal Kommunismus ausprobieren.
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